Das rechte Wort zur rechten Zeit

„Maria durch ein Dornwald ging“ – heißt es in einem bekannten Weihnachtslied. Mit den Worten „Du hast Gnade bei Gott gefunden“ hat der Engel Maria die Geburt ihres Kindes angekündigt.
Den Heiland sollte sie unter ihrem Herzen tragen, den Retter der Welt.

Foto: pixelio/Thommy Weiss, privat

Aber dann ist der Engel wieder fort. Und zurück bleibt ein junges Mädchen, mit einem Herz voller Staunen, voller Dankbarkeit, aber auch voller Angst. Was soll das für eine Gnade sein, ein Kind zu bekommen, das in den Augen der anderen als uneheliches Kind gelten wird. Wie sollte es jetzt weitergehen? Die Menschen um sie herum würden das alles nicht verstehen. Sie würden die Köpfe zusammenstecken und sich den Mund zerreißen. Maria durch ein Dornwald ging, der hatte sieben
Jahre kein Laub getragen. Sieben Jahre kahl, nur Dornen.

Kennen Sie solche Zeiten voller Dornen, voller schwerer Erfahrungen in Ihrem Leben? Da wünscht man sich einen Menschen, der einen versteht und einen begleitet. Maria findet einen solchen Menschen in ihrer Verwandten Elisabeth. Elisabeth sollte ebenfalls ein Kind bekommen in ihrem hohen Alter. Auch für sie ist das keine einfache Situation.

Elisabeth hat Verständnis für Maria. Sie empfängt das junge Mädchen mit offenen Armen. Ja mehr noch: Elisabeth wird vom Geist Gottes erfüllt. Sie bekommt von Gott den Durchblick geschenkt und bestätigt mit prophetischen Worten, was der Engel zu Maria gesagt hat. Wir können wohl nicht prophetisch reden. Aber manchmal schenkt Gott auch uns den Durchblick.

Das rechte Wort zur rechten Zeit im Gespräch mit einem Menschen, ein Wort, das den anderen weiterhilft. Elisabeth hat für Maria ein solches Wort. Und Maria kann ihren Weg weitergehen.
Maria durch ein Dornwald ging, da haben die Dornen Rosen getragen – heißt es im Lied. Rosen des Vertrauens und des Glaubens, dass Gott einen guten Weg für sie hat.

Werner Schmückle,
Kirchenrat und Leiter der Missionarischen Dienste i. R.