Weihnachten mit Frau Lumpp

Weihnachten ist für Waltraud Lumpp (77) ein ganz besonderes Fest: Jahrelang hat sie die Gastronomiegottesdienste in Baiersbronn mitorganisiert und neue Auszubildende am Heiligabend zu sich nach Hause eingeladen.

Waltraud Lumpp (rechts) und Gastronomiepfarrerin Heike Hauber.

 

An Weihnachten wollen viele ihre Ruhe haben. Ein Fest für die Familie. Da möchte man unter sich sein. Waltraud Lumpp wollte das noch nie. Lud schon immer am Heiligabend die zu sich ein, die alleine waren und niemandem zum Feiern hatten.

Als sie 1997 nach Baiersbronn in den Schwarzwald kam, hieß sie die neuen Azubis aus dem Hotel Bareiss an Weihnachten in ihrem Haus willkommen. Das Bareiss ist ein Großbetrieb, eine Sterne-Gastronomie, ihr Sohn Claus-Peter Lumpp dort schon seit Jahrzehnten der Küchenchef.

Das ist ein enges Band zu den Menschen im Gastgewerbe. Doch Waltraud Lumpp geht es um mehr. Um
echte Nächstenliebe, um einen christlichen Glauben, „der von Herzen kommt und nicht nach der Form fragt“. Vielleicht liegt es an ihrer Familiengeschichte, dass sie immer nach den Alleingelassenen schaut.

1940 wird sie im heute polnischen Warthegau geboren und verlor früh die Mutter, ein Kind, auf sich allein gestellt, der Vater im Krieg. Er stirbt bald danach, als sie 16 ist. Es ist nicht der einzige Verlust, den Waltraud Lumpp erleidet: 1978 verliert sie ihren Mann durch eine schwere Krankheit, mit 38 muss sie die Familie alleine durchbringen. Sie kämpft sich durch, macht eine Ausbildung zur Altenpflegerin, wird Oberin bei den Johannitern in Berlin und Leiterin der Berufsfachschule der Caritas in Spaichingen.

Im Schwarzwald lässt sie sich auch in den Kirchengemeinderat wählen. So kommt sie in Kontakt mit dem neuen Gastronomie- und Tourismuspfarrer Jochen Wolber. Ihm hilft sie Einladungen verteilen, das Gemeindehaus vorbereiten und ein Team aufbauen, das sich um die Gastronomiegottesdienste kümmert.

Ein Glücksfall, denn als Wolber geht, ist die Gastronomiepfarrstelle vier Jahre lang nicht besetzt. In dieser Zeit sorgt das Team um Waltraud Lumpp dafür, dass die Gottesdienste für das Gastgewerbe nicht einschlafen. „Ich wollte, dass es weitergeht, weil die Menschen wollten, dass es weitergeht“, sagt
sie im Rückblick.

Als die neue Gastronomiepfarrerin Heike Hauber 2011 ihren Dienst antritt, ist Waltraud Lumpp ihre wichtigste Ansprechpartnerin. „Sie hat mich mit reingenommen“, sagt Heike Hauber, „es war ein gemachtes Nest“. 2014 hat Waltraud die Organisation schließlich in jüngere Hände gegeben.
Seither sorgen Heidi Schneider und ihr Team dafür, dass alles festlich hergerichtet ist und aus dem
Gemeindehaus ein Weihnachtszimmer für die Wirte wird.

Am 9. Januar ist es in der schönen Dorfkirche von Baiersbronn-Obertal wieder so weit. Natürlich wird auch Waltraud Lumpp kommen. Auch wenn sie nicht mehr in der ersten Reihe steht: Der Gastronomiegottesdienst nach Weihnachten ist für sie eine Herzenssache.

Andreas Steidel