Etwas für die Seele

Ein Wort für den Tag und für die Nacht

Das Leben geht seinen Gang, doch manchmal suchen wir auch nach Ruhe oder einer Unterbrechung, nach etwas, das uns innehalten lässt, nach etwas, das unserer Seele gut tut. Dazu sind die geistlichen Impulse in unserem Boten da. Sie sind geschrieben speziell für die Menschen im Gastgewerbe, von Pfarrerirnnen und Pfarrern, Diakonninen und Diakonen, die die besondere Situation dieses Berufes kennen. Wir wünschen Ihnen viele besinnliche Augenblicke mit den Impulsen aus dem Boten.


„Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob.“ Bibelwort für das Jahr 2015 aus Römer 15, 7

 

„Nehmt einander an wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob: "Das klingt eher wie  das Neujahrs-Programm von Wirten und Hoteliers als ein frommer Vorsatz zum neuen Jahr. Andere annehmen, ja, aber nicht um jeden Preis und nicht zu jeder Bedingung. Man hat so seine Erfahrungen, nicht nur mit seinen Gästen, sondern auch ganz  privat.

Und genau da setzt dieses Wort der Jahreslosung 2015 an. Voraus geht ein „Darum“: „Gott der Geduld und des Trostes gebe euch, dass ihr einträchtig gesinnt seid unter einander (also nicht „zwieträchtig“!), darum nehmt einander an wie Christus auch euch angenommen hat.“

So bekommt unser Umgang miteinander eine neue Dimension, abzulesen an dem Wörtchen „Zu  Gottes Lob“. Ob uns dies immer bewusst ist? Unser  Umgang miteinander ist dann nicht mehr nur eine Frage des allgemeinen Anstandes und der Konvention, sondern bekommt einen besonderen Stellenwert durch das Wörtchen „Gleich wie“. 

Diese Losung greift hinein in unseren täglichen Umgang miteinander. Nehmt einander an: als Ehepartner, als junge Menschen wie auch als pflegebedürftige Greise, als Kranke und Gesunde, als Behinderte und  Unversehrte, als Hungrige und Satte, als Ausgestoßene und schwer Annehmbare und als heimatlos gewordene Flüchtlinge, die nicht wissen, wie es weiter gehen soll. Auch die Verachteten und die hoch Angesehenen, die  Depressiven und die Lebenslustigen gehören dazu. 

Annehmen, das ist mehr als Gäste zu beherbergen, die wieder abreisen. Annehmen, das ist Liebe brutto mit allen „Risiken und Nebenwirkungen“. Und das alles zu Gottes Lob.

Wahrlich, eine anspruchsvolle Jahreslosung 2015.         

Walter Meng


Warten

Warten –

Auf Besuch.

Auf die Arznei.

Darauf, dass sich die Kinder öfter melden.

Auf Frieden.

Auf die Nachfrage, wie es mir geht: Wie geht es dir?

Auf eine Entschuldigung.

Auf einen Rückruf.

Auf die Rechnung.

Auf den Feierabend.

Auf Antworten. 

 

Wir sind Wartende. 

Weil wir uns mit dem Hier und Jetzt 

nicht zufrieden geben.

Wir hoffen und glauben:

Es steht noch etwas aus.

Es wird noch etwas kommen.

Wir schauen nach vorne.

Und warten und pressieren.

Auf die Ankunft des Herrn. 

Auf die Vollendung dessen, 

was er begonnen hat.

 

Heinz Gerstlauer ist württembergischer Landesvorsitzender des Verbandes Kirchliche Dienste im Gastgewerbe/Missionarischer Dienst im Hotel- und Gaststättengewerbe (KDG/MDHG)


Fremde werden Freunde

Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Hebräer 13,2

Wenn Sie als Gastgeber oder Gastgeberin gefragt werden, wer Ihre Gäste sind, so kämen Sie nicht auf die Idee, sie als „Engel“ zu bezeichnen. Gewiss, manche Gäste sind sehr liebenswert und in ihrer Gegenwart geht auch einem Profi-Gastgeber das Herz auf. Man ist traurig, wenn sie wieder abreisen, aber Engel waren sie nun doch nicht! Oder?

Engel sind Boten Gottes. Einer, der nicht mit Engeln rechnete, war Abraham, als er drei Fremde bat, seine Gäste zu sein. Er versorgte und bewirtete sie, wie es sich für einen Gastgeber im vorderen Orient gehörte.  Sie brachten ihm die Botschaft, dass seine Frau Sara und er trotz ihres hohen Alters ein Kind bekommen würden. 

Dass Gäste so viel Achtung und Ehrerbietung genießen, war nicht immer so. In den Zeiten noch vor Abraham galten Gäste als Fremde und Feinde. Ein solcher Fremder war eine Bedrohung, dem der Ansässige mit Misstrauen und nicht selten mit Gewalt begegnete. Um diesen aggressiven Auseinandersetzungen Einhalt zu gebieten, entwickelte sich das Ritual der Gastfreundschaft. Es war eine kulturelle Leistung. Aggression wandelte sich zum Dienst am Fremden – Schwerter zu Pflugscharen oder in dem Fall passender: Schwerter zu Tellern mit Brot und Bechern mit Wein. Ein Gast hatte von da an ein Recht auf eine gastfreundliche Behandlung. 

In der Bibel steigert sich die veränderte Haltung gegenüber dem Fremden noch. Gott selbst wird zum Gastgeber, der die Menschen zum großen Fest am Ende der Zeiten einlädt. Dort werden die Menschen Gott schauen wie die Engel.  Es wird die Gestalt des gekreuzigten und auferstandenen Christus sein, der hier auf Erden unter den Menschen lebte und sein Leben für sie gab. Ein Gastgeber, der die Fremden zu Freunden macht. 

Wer sind Ihre Gäste? Wir sind noch nicht im Himmel – manche Gäste, die eher eine Herausforderung sind, erinnern daran, dass wir auf Erden leben. Aber die meisten Gäste genießen in Ihren Häusern eine erholsame Zeit. Und wer weiß, vielleicht hat mancher schon Engel beherbergt, ohne es zu wissen.

Heike Hauber


Das große Glück

Gott nahe zu sein ist mein Glück · Jahreslosung 2014 aus Psalm 73,28

Der Mensch möchte glücklich sein. Glück erleben. Glück haben. Vieles tun wir dafür. Wir spielen Lotto und hoffen auf das große  Glück. Wir setzen auf Glücksbringer oder lesen das Horoskop. Wir laufen durch den Wald, weil Jogging Glückshormone ausschüttet. Wir nehmen ab, weil wir mit der ersehnten Kleidergröße  glücklich mit uns selbst sein können. 

Hilfreich auf der Suche nach Glück ist die Unterscheidung zwischen dem augenblicklichen Glück, das im Englischen mit „luck“ bezeichnet wird, und dem anhaltenden Gefühl der Zufriedenheit, das „happiness“ heißt. „Luck“, das ist wie Schwarzwälder Torte. Diese Art von Glück lebt von der Einmaligkeit. Vom Unterschied zwischen Schwarzbrot und Schwarzwälder Torte. Das eine kann man täglich essen, das andere nicht. „Luck“, das ist das unerwartete Geschenk. Wer es bekommt, fühlt sich im siebten Himmel. Aber wer nur diesem Glück nachjagt, erlebt die Hölle der Enttäuschungen. 

Der Mensch will glücklich, oder besser gesagt zufrieden sein. Mit seinen Umständen, seiner Arbeit, seinem Leben, seinen Kolleginnen und Kollegen. Er braucht die Anerkennung des Chefs, die Dankbarkeit der Gäste. Glück empfinden wir oft nicht, wenn alles von der Hand läuft, sondern wenn man nach einem anstrengenden Tag das Gefühl hat, etwas Gutes geleistet zu haben. 

In der Evangelischen Kirche gibt es für das Jahr 2014 eine „Jahreslosung“. Sie steht in Psalm 73,28 und lautet: „Gott nahe zu sein, ist mein Glück“. Das schließt alles andere nicht aus. Aber der Satz meint, dass Glück mehr ist als das, was ich erreichen kann oder was mir in den Schoß fällt. Oft erleben wir Krisen, Gäste beschweren sich, Menschen sterben, Freundschaften zerbrechen oder es geschieht ein Unglück wie bei Michael Schumacher. In solchen Zeiten sind Menschen nicht glücklich, auch nicht happy. Aber ihr Glück ist, wenn jemand da ist. Das Glück guter Freunde. Das Glück, einen Gott zu haben, der uns nahe ist. 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie auf Ihrem Weg durch die Tage des neuen Jahres das ganze Glück erleben dürfen. Das unverhoffte Glück, die Heiterkeit unbeschwerter Tage, die Zufriedenheit an arbeitsreichen Tagen, das Glück guter Freunde und die Nähe unseres Gottes, der Ihr Unglück nicht scheut und Ihnen Ihr Glück gönnt.

Heinz Gerstlauer

 

 

Unser Buchtipp:

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